Uhrmacher und Juwelier in Wien 9



Das Uhren ABC von Uhrmachermeister Barotanyi

Anglierung

Abgeschrägte Kanten der Stahlteile eines mechanischen Uhrwerks. Die Anglierung wird entweder maschinell oder – bei Luxusuhren auf höchstem Niveau – in traditioneller Handarbeit angebracht. Die Anglierung dient lediglich der optischen Verfeinerung und hat keinen Einfluss auf die Funktion des Uhrwerks.

 

Ankerhemmung

Erfunden Anfang des 18. Jahrhunderts vom englischen Uhrmacher George Graham und weiterentwickelt von dessen Schüler Thomas Mudge kommt dieses Hemmungssystem noch heute in den meisten mechanischen Uhren zum Einsatz. (Funktionsweise siehe „Hemmung“)

 

Armbandwecker

Die akustische Anzeige zu einer individuell eingestellten Zeit ist bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt und damit eine der frühesten Zusatzfunktionen bei mechanischen Uhren überhaupt. Natürlich handelte es sich jahrhundertelang um Wand- oder Standuhren; am Handgelenk fanden solch komplizierte Uhrwerke erst deutlich später Platz. Inzwischen gehört die Alarmfunktion (Wecker) zu den klassischen Komplikationen mechanischer Armbanduhren. Sie wird meist durch eine Zugfeder realisiert, die ein Hämmerchen antreibt, welches zur eingestellten Zeit gegen einen Teil des Gehäuses schlägt. Meist wird der Ton in schneller Folge wiederholt. Je nach Bauart und verwendeten Materialien dringen verschiedene Töne nach draußen: vom leisen Rasseln bis hin zu glockenähnlichem Klingeln.

 

Automatischer Aufzug

Durch die Bewegung des Handgelenks und damit des Rotors spannt sich die Zugfeder automatisch – im Gegensatz zum Handaufzug, bei dem die Uhr über die Krone manuell aufgezogen wird.

 

Breguet-Spirale

Diese durch Abraham-Louis Breguet optimierte Unruhspirale wurde 1795 präsentiert und später nach ihrem Erfinder benannt. Ihr typisches Erkennungszeichen besteht bis heute in einem hochgebogenen äußeren Ende der Spiralfeder, das für eine entscheidende Verbesserung der Ganggenauigkeit sorgt. Angesichts der vergleichsweise hohen Produktionskosten kommen Breguetspiralen heute nur in sehr hochwertigen Kalibern zum Einsatz.

 

Breguet-Zeiger

Eine vor allem bei Luxusmarken beliebte, klassisch-elegante Zeigerfasson – erkennbar an der charakteristischen ringförmigen Erweiterung im vorderen Drittel des Zeigers.

 

Chronograph

Zusatzmechanismus, der das Starten, Stoppen und Rückstellen eines meist zentral positionierten Sekundenzeigers per Knopfdruck ermöglicht. Die Zeitanzeige bleibt davon unberührt. Die meisten Chronographen verfügen zudem über eine Anzeigen der gestoppten Minuten und Stunden. Abhängig von der Unruhfrequenz können mechanische Chronographenwerke bis auf die Zehntelsekunde genau stoppen. 

 

Chronograph Rattrapante

Mittels Schleppzeiger-Mechanismus lassen sich zwei oder mehr Vorgänge simultan stoppen, sofern sie gleichzeitig beginnen. Der Schlepp- oder Einholzeiger ist über ein komplexes Schaltwerk mit dem Chronographenzeiger gekoppelt. Über einen speziellen Drücker lässt sich der Schleppzeiger beliebig oft anhalten (z. B. zur Messung von Zwischenzeiten) und mit dem weiterlaufenden Chronographenzeiger wieder synchronisieren. Schleppzeiger-Chronographen sind wegen ihrer aufwändigen und damit sehr kostspieligen Technik nach wie vor eine Besonderheit.

 

Chronometer-Zertifikat

Bescheinigung für eine besonders genaue Kontrolle der Ganggenauigkeit. Dabei wird die Uhr über eine Dauer von 360 Stunden vom Offiziellen Schweizer Kontrollinstitut COSC in den fünf häufigsten Handgelenkspositionen (Lagen), bei Temperaturen zwischen 8 und 38 Grad Celsius, getestet. Das Uhrwerk darf eine durchschnittliche Gangabweichung von –4 bis +6 Sekunden pro Tag nicht über- bzw. unterschreiten.

 

Co-Axial-Hemmung

Eine Erfindung des britischen Meisteruhrmachers Dr. George Daniels, die von Omega zur Serienreife weiterentwickelt wurde. Die Co-Axial-Hemmung reduziert im Vergleich zur herkömmlichen Ankerhemmung die Reibung zwischen den Energie übertragenden Teilen. Daraus resultieren eine langfristig stabilere Ganggenauigkeit und deutlich verlängerte Wartungsintervalle.

 

DLC-Beschichtung

Die Abkürzung steht für Diamond-like Carbon, weil sich der Kohlenstoff in einer diamantähnlichen Struktur auf dem Edelstahl ablagert. Die Oberfläche wird durch die Beschichtung besonders hart und damit kratzfest.

 

Ewiger Kalender

Komplexes Kalenderwerk, das die unterschiedlichen Monatslängen inklusive der Schaltjahre bis zum 28. Februar 2100 ohne manuelle Korrektur berücksichtigt. Armbanduhren mit ewigem Kalendarium gibt es erst seit 1927. Sie bieten meist Anzeigen für Wochentag, Datum, Monat, eventuell auch für Mondphase und Schaltjahr.

 

Frequenz

Gemeint ist die Anzahl der Unruh-Schwingungen (pro Stunde), gemessen in Hertz (Hz), angegeben in Halbschwingungen (hin und her). Moderne mechanische Uhrwerke weisen in den meisten Fällen eine Frequenz von 28.800 A/h (4 Hz), manchmal auch 36.000 A/h auf.

 

Gangdauer

Darunter versteht man die gesamte Laufzeit eines mechanischen Uhrwerks – den Zeitraum zwischen dem vollständigen Aufzug und dem aufgrund der vollständigen Entspannung der Zugfeder eintretenden Stillstand.

 

Gangreserve

Reicht die Aufzugsenergie über die normale Gangdauer einer Armbanduhr (24 Stunden) hinaus, so wird die Gangreserve extra ausgewiesen. Durch Spezialkonstruktionen oder zusätzliche Federhäuser kann das Energiepotential auf einen Zeitraum bis zu 8 Tagen erhöht werden.

 

Gangreserve-Anzeige

Funktionelle Zusatzfunktion zur Anzeige der verbleibenden Aufzugsenergie eines mechanischen Uhrwerks. Diese erfolgt meistens durch einen kleinen Zeiger auf einer Skala.

 

Gebläute Zeiger und Ziffern

Nach traditioneller Methode gefärbte Stahlteile. Beim Bläuen werden die Teile in einer kleinen Pfanne über einer Flamme erhitzt. Bei knapp 300 Grad nimmt die Oberfläche die charakteristische blaue Farbe an.

 

Genfer Siegel

Dieses Qualitätszeichen geht auf ein Gesetz von 1886 zurück. Nur Uhrwerke, die nach 18-tägiger Prüfung elf definierte Anforderungen erfüllten, durften den „Poinçon de Genève“ tragen. Seit 1994 müssen für die begehrte Punze alle Uhrwerke nummeriert beim „Büro zur freiwilligen Kontrolle Genfer Uhren“ vorgelegt werden. Vorgeschrieben sind z.B. polierte Kanten und satinierte Vorderseiten, polierte oder kreisgeschliffene Schraubenköpfe und anglierte Schraubenschlitze. Geprüft wird auch die Befestigung der Unruhspirale, die technische Ausführung des Schwing- und Hemmungs­systems, die handwerkliche Sorgfalt u.v.m. Als Grundvoraussetzung gilt, dass Zusammenbau und Regulierung im Kanton Genf erfolgen müssen.

 

Genfer Streifen

Diese optische Veredelung findet sich im Allgemeinen nur auf Komponenten hochwertiger Uhrwerke. Es handelt sich dabei um eine gerillte Dekoration auf Brücken und Kloben.

 

Großdatum

Extragroße Datumsanzeige, bei der die beiden Ziffern mittels zwei getrennter Scheiben angezeigt werden – einer für die Zehner- und einer die für die Einerziffer (auch „Panoramadatum“ genannt).

 

Guillochieren

Traditionelles Verfahren zur Verzierung von Uhrengehäuse oder Zifferblatt. Dabei werden maschinell feine Muster in die Oberfläche graviert.

 

Hemmung

Dabei handelt es sich um jenen Mechanismus innerhalb eines mechanischen Uhrwerks, der die Kraft der Zugfeder in kleine Impulse unterteilt und an das Schwingsystem (Unruh) weiterleitet. Durch diesen Vorgang entsteht das charakteristische Ticken der Uhr. Bei dieser Form der Kraftübertragung entsteht natürlich permanent Reibung. Die Schmierung muss optimal sein, damit bei diesen in höchstem Maße beanspruchten Werkkomponenten kein Materialverschleiß eintritt. Im Sinne der Werterhaltung jeder mechanischen Uhr empfiehlt es sich daher, alle drei bis fünf Jahre ein Service durchführen zu lassen.

 

Kaliber

Die Kaliber-Bezeichnung dient der klaren Unterscheidung und Beschreibung (Dimension und Gestalt) eines Uhrwerks und seiner Teile.

 

Kleine Sekunde

Im Gegensatz zum zentralen Sekundenzeiger ist die Anzeige hier „exzentrisch“ angeordnet. Die „Kleine Sekunde“ befindet sich bei Armbanduhren meistens auf der Zifferblattposition zwischen dem Zentrum und der Ziffer „6“ – im Fachjargon: Kleine Sekunde bei 6 Uhr. Es gibt jedoch auch Werke mit der kleinen Sekunde bei 9 Uhr.

 

Komplikationen

Dieser Fachausdruck bezeichnet komplizierte mechanische Konstruktionen, die Zusatzfunktionen ermöglichen. Zu den bedeutendsten Komplikationen zählen Chronograph, Rattarpante, Gangreserveanzeige, Minutenrepetition, Alarmfunktion, Ewiger Kalender und Tourbillon.

 

Linien

Überlieferte Maßeinheit für Uhrwerks-Dimensionen, abgeleitet vom französischen Fuß. Eine Linie (1’’’) entspricht 2,2558 mm.

 

Manufaktur

Ursprünglich wurde in einer Manufaktur jede einzelne Komponente der Uhr unter einem Dach gefertigt. Im Zuge der Industrialisierung erwies sich die Auslagerung einzelner Produktionsbereiche an Spezialisten für Uhrbänder, Gehäuse, Zifferblätter, Zeiger oder einzelne Werkteile als wirtschaftlich vernünftiger. Heute darf sich ein Uhrenhersteller nach den ungeschriebenen Gesetzen der Uhrmacherei nur dann Manufaktur nennen, wenn er zumindest ein Rohwerk selbst fertigt.

 

Regulatorzifferblatt

Zum Zweck der optimalen Ablesbarleit wurden für die Regulatoren (Präzisionspendeluhren) in Observatorien und Uhrenfabriken, derartige Zifferblätter entwickelt: Es dominiert der Minutenzeiger als einziger großer Zeiger auf der zentralen Achse, während Stunden- und Sekundenzeiger sich normalerweise jeweils dezentral oberhalb und unterhalb in kleineren Indexzifferblättern drehen. Außermittige Indikation von Stunden und Sekunden. In den 1930er-Jahren präsentierte die Schweizer Uhrenindustrie erstmals Armbanduhren mit Regulator‑Zifferblättern.

 

Repetitionsschlagwerk

Aufwändige Zusatzfunktion eines Uhrwerks (Komplikation), die es gestattet, die aktuelle Zeit akustisch wiederzugeben. Uhren mit „Minutenrepetition“ geben beispielsweise die Stunden, die Viertelstunden sowie die zusätzlich verstrichenen Minuten auf Anforderung akustisch an. Dazu schlagen in der Regel zwei Hämmer auf zwei verschiedene Tonfedern. Für die Stunden erklingen tiefe, für die Minuten hohe Töne. Dazwischen kommen die Viertelstunden durch Doppelschläge (hoch/tief) zum Ausdruck. Erste Uhren mit Minutenrepetition gab es bereits Mitte des 18. Jahrhunderts.

 

Retrograde Anzeige

Dabei bewegt sich der Zeiger nicht im Kreis, sondern lediglich über ein Kreissegment und springt am Ende automatisch zur Ausgangsposition zurück.

 

Rotor

Eine unbegrenzt drehende Schwungmasse sorgt für den automatischen Aufzug. Je nach Konstruktion des Selbstaufzugs wird die Zugfeder in einer oder beiden Drehrichtung(en) gespannt. Dabei unterscheidet man Zentralrotoren, die sich über dem ganzen Werk drehen, und Mikrorotoren, die in die Werksebene integriert sind.

 

Saphirglas

Dieses kratzfeste Material wird inzwischen von den meisten Herstellern für das Uhrenglas und auch für transparente Gehäuseböden verwendet. Der Härtegrad von Saphirglas beträgt Härte 9 (nach Mohs). Eine noch größere Härte weist nur der Diamant auf.

                         

Satinierung

Durch diese Schliff-Bearbeitung wird eine seidig-matte Optik auf Metalloberflächen erzeugt.

 

Säulenrad

Auch „Schaltrad“ genannt. Anspruchsvoller Steuer-Mechanismus für das Starten, Stoppen und Nullstellen des Chronographen. Bei exklusiven Chronographen-Kalibern erfolgt diese Steuerung über ein drehbar gelagertes Schaltrad mit mehreren Säulen.

 

Silikon

Die neueste Generation der Armbandmaterialien bietet etliche Vorteile gegenüber klassischem Kautschuk. Es ist biegsamer, sogar extrem elastisch, kann leichter eingefärbt werden und ist pflegeleichter: Da es keine Poren aufweist, die Schmutzpartikel aufnehmen könnten, bleibt alles an der Oberfläche, die man jederzeit einfach abwaschen kann.

 

Skelettieren

Die Skelettierung wird bei feinen Zeitmessern von Hand ausgeführt und verkörpert dort die höchste Kunst der Uhrmacherei. Dabei werden Platine, Brücken, Kloben, Federhaus und Rotor soweit durchbrochen, dass nur noch das für die Funktion unverzichtbare Material übrig bleibt. Auf diese Weise entsteht eine dreidimensionale Transparenz, die es erlaubt, in das Uhrwerk zu blicken.

 

Tachymeterskala

Diese Skala ist entweder am Rand des Zifferblattes oder auf der Lünette angebracht und dient bei Chronographen zur Ermittlung von Durchschnittsgeschwindigkeiten. Wird der Chronograph am Anfangspunkt einer Strecke gestartet und an ihrem Ende wieder angehalten, zeigt der Chronographenzeiger auf der Tachymeterskala die Durchschnittsgeschwindigkeit (km/h oder mph) an, mit der die Distanz durchfahren wurde.

 

Tourbillon

Diese Erfindung von Abraham-Louis Breguet (1795) gilt als eine der höchsten Komplikationen der Uhrmacherkunst. Dabei ist die Unruh samt Spiralfeder und Hemmung in einen Käfig montiert, der sich – meist ein Mal pro Minute – um die eigene Achse dreht und damit die negativen Einflüsse der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit ausgleicht.

 

Wasserdicht

Laut Deutscher Norm (DIN) 8310 dürfen Uhren die Bezeichnung „wasserdicht“ tragen, wenn sie gegen Schweiß, Spritzwasser und Regen resistent sind. Zudem darf in einer Tiefe von einem Meter mindestens 30 Minuten lang keine Feuchtigkeit eindringen. Der Zusatz 30 m, 3 bar oder 3 atm besagt, dass die Uhren vom Hersteller einem entsprechenden Prüfdruck ausgesetzt wurden. Gleichwohl empfiehlt es sich, nur mit Uhren zu schwimmen oder gar zu tauchen, deren Wasserdichtheit höher angegeben ist (ab 100 m).